FaksimileNassau

In Nassau wurde Anfang des 19. Jahrhunderts der Versuch unternommen, „von oben“ her den Staat und die Schulen zu modernisieren.

Das herausragende Edikt (Gesetz) von 1817 ist bedeutender Teil umfassender politischer und gesetzgeberischer Neuordnung zur Einigung dieses Landes nach Regierungsantritt des jungen Herzogs WILHELM (24 Jahre): Die Erziehung seiner Bürger wurde von jetzt als eine der bedeutendsten Aufgaben des aufgeklärten Staates erachtet und in die allgemeine Verwaltung einbezogen.

In der staatlichen Schule "soll die dem Menschen im Staatsverhältnis notwendige allgemeine Bildung erlangt, und derselbe dadurch zum Fortschreiten auf ein höhere Stufe der Entwicklung geschickt gemacht werden." ( §1 des Edikts )

Die fortschrittliche Staatsform des aufgeklärten Herzogtums verlangt durch seine Verfassung nach emanzipierten Staatsbürgern, die positiv und selbständig für ihren Staat mitwirken.

Diese nassauische Schulorganisation von 1817 versucht erstmals für Deutschland, das in seinem neugeordneten Gebiet überkommene, zersplitterte Schulwesen in staatlichen Schulen ohne Konfessionsschulen zu vereinheitlichen, um den allgemeinen Bildungsstand im Land zu heben und die Volkswirtschaft zu verbessern. Die Regierung erlässt Schulordnungen, bildet neue Schulbezirke, gründet neue Schulen und ordnet den Bau neuer Schulhäuser an, über deren  Einrichtung und Ausstattung mit Lehrmitteln sie wacht.

Gemeinschaftsschule für alle Konfessionen

Die Kluft zwischen den konkurrierenden Konfessionen prägte auch  das politische, kulturelle Leben  in Nassau und verhinderte eine gleichmäßige Entwicklung des Bildungswesens. Der nun positive Geist der Aufklärungsideen vermag die Gegensätze seit der Reformation zu überbrücken: Humanistische Bildung formt einen gebildeten Menschen mit Toleranz gegenüber anderen Religionen und Rassen.

In Nassau sollte ein neuer Schultyp neben Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit den 340.000 Bewohnern eine einheitliche  Volksbildung in allen Landesteilen ermöglichen. Wo früher unter 26 verschiedenen Herrschaften gemischte Konfessionen in Zwietracht das Schulwesen in verschiedenartigen Formen beeinflussten, will nun der Staat eine gleichförmige Schule auf christlicher Basis organisieren, die das Verbindende in den Glaubensrichtungen über das Trennende stellt.

Simultanität

Die Volksschule heißt simultan (lat. simul= zusammen, zugleich), weil sie für alle Kinder ohne Ansehen ihres Glaubensbekenntnisses gemeinsam offen steht. Der Gedanke des Simultanen wurde bereits bei der Nutzung eines Kirchenraumes für mehrere Konfessionen praktiziert (Simultankirche).

Den konfessionell ungebundenen Schultyp gab es schon als kommunale Stadtschule (im Gegensatz zur Konfessionsschule).

Simultanschule

Simultanschule als Ergebnis fortschrittlicher Schulpolitik des 19. Jahrhunderts

Das Schuledikt vom 24.März 1817 als Grundlegung der Schulreform  im Herzogtum Nasssau:

 "Bei der allgemeinen Organisation  des Herzogthums entgingen den sorgsamen Blicken des Durchlauchtigsten  Herzogs von Nassau auch die Schulen nicht und Er erließ deshalb den 24ten März 1817 eine Verordnung, wodurch die Unterrichtsanstalten eine zweckmäßige, ineinander greifende Einrichtung erhalten sollten. Durch dieses Edikt wurden die bisher confessionellen Schulen  in Elementarschulen umgewandelt, in welche alle Kinder ohne Unterschied der Confession oder Religion gehen mußten." (Bad Sodener Schulchronik)

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